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Abschaffung der Agrarsubventionen – Die neuseeländische Geschichte

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Die Welt kann viel von den neuseeländischen Landwirten lernen. Warum, zeigt unser Intern Connor Molloy in dieser kurzen Darstellung der Agrarreform in Neuseeland.

Nächstes Jahr sind es vierzig Jahre, dass Sir Roger Douglas Neuseelands 35. Finanzminister wurde. Douglas‘ mutige Entscheidung, die staatlichen Eingriffe deutlich zu reduzieren und die Wirtschaft zu deregulieren, legte den Grundstein für einen der heute produktivsten, effizientesten und umweltfreundlichsten Agrarsektoren weltweit.

Vor 1984 wurde die neuseeländische Landwirtschaft von der Regierung in Form von Subventionen, Mindestpreisen, zinsgünstigen Krediten, Steuervergünstigungen und Schuldenerlässen unterstützt. Diese Unterstützungen schufen falsche Anreize für die neuseeländischen Landwirte und förderten ineffiziente Landnutzungs- und Anbaumethoden.

Damals wurden mehr als zwei Millionen Hektar unproduktive Randgebiete bewirtschaftet, was häufig zu einer erheblichen Umweltbelastung führte. Es wurden Flächen erschlossen, die sich ohne Subventionen als unrentabel erweisen würden, und der übermäßige Einsatz von stark subventionierten Düngemitteln war an der Tagesordnung.

Die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen richtete sich nach den Subventionen, anstatt sich an die Nachfrage der Verbraucher anzupassen. Die Landwirte reagierten nicht auf die Marktkräfte, auch nicht auf die Preise, und produzierten nicht das, was der Markt verlangte. Dies ging so weit, dass die Regierung 1983 für die Schlachtung von Schafen bezahlte, die nicht verkauft werden konnten, was dazu führte, dass 6000 Tonnen überschüssiges Lammfleisch zu Dünger verarbeitet wurden. Bis 1984 war der Wert der landwirtschaftlichen Erzeugnisse geringer als die Kosten für ihre Herstellung.

Zu dieser Zeit kamen mehr als 30 % der Einkommen der Landwirte direkt vom Steuerzahler in Form von Subventionen. Der Sektor stagnierte, da Innovationen im Keim erstickt wurden. Die staatlichen Unterstützungszahlungen verringerten die Anreize zur Innovation, Umstrukturierung und Diversifizierung erheblich, da die Betriebe mit einem sicheren Einkommen überleben konnten, ohne einen Mehrwert schaffen zu müssen.

1984 stand das Land am Rande des Bankrotts, und die Neuseeländer verlangten Veränderung an der Wahlurne. Bei den Wahlen wurde Premierminister Robert Muldoon, der für seine interventionistische Wirtschaftspolitik berüchtigt war, abgewählt und durch eine reformorientierte Labour Party ersetzt.

Damit begann die Zeit der „Rogernomics“, als Minister Roger Douglas die Unterstützung der Landwirte durch den Steuerzahler in Höhe von umgerechnet 1,7 Mrd. EUR kürzte und die Regulierung der Wirtschaft erheblich redizierte. Viele Zölle wurden abgeschafft, der Dollar freigegeben und rund 30 verschiedene Produktionssubventionen abgeschafft.

Die Abschaffung der Subventionen für Düngemittel führte dazu, dass die Schaf- und Rinderhalter den Düngemitteleinsatz zwischen 1985 und 1986 halbierten, obwohl die Produktion weiterhin hoch blieb. Dies zwang die Landwirte zu Produktivitätsverbesserungen und veranlasste sie, sorgfältig zu überlegen, wo und wie sie den Dünger am effektivsten einsetzen.

Die Marktkräfte boten den Landwirten Anreize, sich anzupassen und innovativ zu sein, wodurch der „Kiwi-Einfallsreichtum“, für den sie heute so bekannt sind, wieder auflebte.

Heute erhalten die neuseeländischen Landwirte keine Subventionen mehr, leisten aber weiterhin einen erheblichen Beitrag zum BIP. Die seit der Abschaffung der Subventionen um mehr als das Zehnfache gestiegenen Einnahmen aus der Milchwirtschaft sind nur ein Beispiel dafür, dass die neuseeländischen Primärindustrien nach diesen Veränderungen rentabler, produktiver und effizienter geworden sind.

Einige Landwirte mussten erkennen, dass sie ihr Land nicht produktiv nutzten. Doch trotz der weit verbreiteten Befürchtung, in Konkurs gehen zu müssen, verließen weniger als 1 % der Landwirte den Sektor.

Stattdessen löste der Wegfall der wettbewerbsverzerrenden Subventionen eine Welle an Innovation und Diversifizierung im gesamten Sektor aus. Anbauflächen wurden so umgewidmet, dass sie möglichst gewinnbringend genutzt werden konnten, wobei häufig neue und ungenutzte Nischenmärkte erschlossen wurden.

Einige Gebiete im steilen Hochland wurden regeneriert oder in Wälder mit einheimischen Bäumen umgewandelt, in denen heute hochwertiger Mānuka-Honig produziert wird und die als kommerzielle Jagdparks dienen. Andere Gebiete orientierten sich am Klima, der Bodenbeschaffenheit und der Topografie des Landes und produzieren hochwertige Produkte wie Kiwis, Wildbret und köstlichen neuseeländischen Wein.

In den folgenden 30 Jahren ging die Zahl der Schafe in Neuseeland um 53,6 % zurück, die Produktion blieb jedoch gleich. Effizienz und Produktivität waren das A und O. Die Landwirte konzentrierten sich mehr auf Viehzucht, Weidequalität, sowie Verbesserungen in der Verarbeitung und Technologie, so dass die Produktion trotz geringeren Inputs gesteigert werden konnte.

Die CO2-Äquivalentemissionen von Schafen und Rindern sind in dieser Zeit um 30 % gesunken, ohne dass der Gesetzgeber dies angeordnet hätte. Für Länder, die die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt verringern wollen, ist die Abschaffung von Subventionen ein guter Anfang.

Die neuseeländischen Landwirte sind heute in der Lage, mit subventionierten Landwirten auf der ganzen Welt in Bezug auf Preis, Qualität und Umweltauswirkungen zu konkurrieren, selbst wenn deren Produkte um die halbe Welt transportiert werden müssen.

Die Welt kann also viel von den neuseeländischen Landwirten lernen.

Zweifellos gibt es noch einige umweltpolitische Herausforderungen, aber man muss erkennen, dass die Regierung oft der Lösung im Wege steht und nicht der Retter ist, der sie zu sein vorgibt. Neuseelands archaische Gesetze zur genetischen Veränderung, die die Anpflanzung von kohlenstoffarmen Weiden verhindern, sind nur ein Beispiel dafür, wie die Regierung eine Emissionsreduzierung in dieser Branche behindert.

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Die Meinungen, die hier auf hayek-institut.at veröffentlicht wurden, entsprechen nicht notwendigerweise jenen des Hayek Instituts.

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