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Digital Money Symposium

Digital Money Symposium

Zentralbanken auf der ganzen Welt prüfen derzeit die Einführung digitaler Zentralbankwährungen (CBDCs). Beim “Digital Money” Symposium in London am 30. März diskutierten Katie Fortune als Vertreterin der CBDC Unit der Bank of England, David Rutter, CEO des Blockchain-Unternehmens R3 und ein Technologieberater aktuelle Entwicklungen.

Was sind CBDCs?

CBDCs sind digitale Währungen, die – anders als etwa Bitcoin – von einer Zentralbank herausgegeben werden. Als Alternative zu herkömmlichem Papiergeld können sie für digitalen Zahlungen verwendet werden. Zentralbanken unterscheiden zwei Arten von CBDCs: Wholesale-CBDCs, die sich auf die Verwendung durch Finanzinstitute beschränken, und Retail-CBDCs, die für den allgemeinen Gebrauch durch die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Designoptionen

Für die Gestaltung von CBDCs gibt es tokenbasierte und kontobasierte Modelle. Ein tokenbasiertes CBDC-System würde digitale Münzen (Coins) verwenden, die auf einer Blockchain oder einer anderen dezentralen Plattform ausgegeben werden, während ein kontobasiertes CBDC-System eine herkömmliche digitale Darstellung von traditionellem Geld darstellt und auf Servern der Zentralbank verwaltet wird.

(Anm.: Bitcoiner empfinden eine gewisse Ironie in der zentralistischen Verwendung von Blockchains, einer ultimativen Dezentralisierungstechnologie.)

CBDCs könnten tiefgreifende Auswirkungen auf die Rolle der kommerziellen Banken haben, da sie deren systemische Notwendigkeit beeinträchtigen, Einlagen zu sammeln und Kredite zu vergeben, ja sogar vorwegnehmen könnten. Je nach Ausgestaltung einer CBDC ergeben sich also enorme wirtschaftliche Kräfteverschiebungen.

Geldwertstabilität und Wirtschaft

CBDCs werden erhebliche Auswirkungen auf die Inflation haben, da sie die Umlaufgeschwindigkeit erhöhen und den Geldbedarf senken könnten, was zu höheren Preisen und einer höheren Inflation führen würde. Zentralbanken hätten aber auch mehr Echtzeit-Überwachungsmöglichkeiten und könnten schneller eingreifen, während derzeit Daten nur mit großer Zeitverzögerung eintreffen und oft nachträglich korrigiert werden müssen.

Auswirkungen auf die Wirtschaft entstehen durch die Art und Weise, wie künftig Geld übertragen und verwendet wird. CBDCs könnten die Effizienz des Finanzsystems verbessern und die Kosten von Transaktionen senken. Sie könnten – vor allem in Entwicklungsländern – auch dazu beitragen, die finanzielle Inklusion zu erhöhen, indem sie Menschen ohne traditionellen Bankkonten einen Zugang zu digitalen Finanzdienstleistungen eröffnen.

(Anm.: Ob diese “Unbanked” das dafür erforderliche Smartphone besitzen, sei dahingestellt.)

Bürgerrechte und Privatsphäre

Die Diskutanten erkennen das Risiko an, dass CBDCs dazu verwendet werden können, die Freiheit zu beschränken, als Beispiel wird China herangezogen. Zentrale digitale Währungen können von Regierungen oder autoritären Kräften einfach überwacht und kontrolliert werden. Im Extremfall kann die Freiheit jedes Menschen oder Unternehmens durch im CBDC eingebaute digitale Smart Contracts so eingeschränkt werden, dass sie gar nicht mehr in der Lage sind, ihr “eigenes” Geld zu nutzen.

Die Diskutanten sind sich einig, dass die Programmierbarkeit von CBDCs den Zentralbanken die Kontrolle über die Wirtschaft geben könnte, CBDCs wären in der Lage, die Wirtschaft in eine zentral vorgegebene Richtung zu lenken. Je nach politischer Gesinnung mag das positiv oder negativ erscheinen, jedoch lenkt die Vertreterin der Bank of England ein, dass diese Möglichkeit definitiv nicht durch die Zentralbank genutzt werden wird, sondern der Privatwirtschaft überlassen wird.

(Anm.: Mein Sitznachbar raunt: “Am Anfang.”)

Befürworter verweisen auf eine mögliche Verschlüsselung, welche die Privatsphäre besser schützen würde, und die Verbesserung, dass CBDC-Nutzer nicht mehr auf Kommerzbanken oder Zahlungsdienstleister angewiesen wären, die heute ihre Transaktionsdaten einsehen können.

Unklar ist, wie CBDCs so gestaltet werden können, dass sie die Privatsphäre der Menschen schützen, aber gleichzeitig sicherstellen, dass Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verhindert werden. Einer dieser ideellen Werte müsste wohl aufgegeben werden.

Praktische Einführung

Die laufenden Regulierungsbestrebungen von Kryptowährungen und Token wird durch die riesige, ständig anwachsende Vielfalt erschwert. Es gibt bereits etwa 20.000 Unterarten mit höchst unterschiedlichen Ausprägungen und Eigenschaften. Die Einführung von CBDCs erfordert eine umfassende Planung und Koordination zwischen den Zentralbanken, Regierungen und anderen Beteiligten, dazu kommen Herausforderungen durch Sicherheit, Skalierbarkeit und Interoperabilität, die erst gelöst werden müssen.

Die Zentralbanken des Vereinigten Königreichs und Europas haben daher noch keine Zeitpläne für die Einführung angekündigt, wiewohl einige Länder bereits Pilotprojekte gestartet haben. Die Zeitpläne werden auch von aktuellen Verwerfungen im Banken- und Geldsystem beeinflusst, dem Wettbewerb zwischen Zentralbanken untereinander und mit Kommerzbanken, und nicht zuletzt der rasanten Entwicklung der Blockchain-Technologien. Als der CEO von R3 über 2 bis 3 Jahre orakelt, winkt die Vertreterin der Bank of England müde ab: “10 Jahre, mindestens”.

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Die Meinungen, die hier auf hayek-institut.at veröffentlicht wurden, entsprechen nicht notwendigerweise jenen des Hayek Instituts.

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